Rechtsgebiete im Überblick: Forderungsrecht

Als Geschäftsführer oder Entscheider sind Sie dafür verantwortlich, dass Ihr Unternehmen offene Forderungen durchsetzt und gleichzeitig rechtliche Risiken minimiert. Diese Seite verschafft Ihnen einen kompakten Überblick über wichtige Rechtsgrundlagen, Pflichten und Instrumente im Forderungsrecht. So können Sie einschätzen, welche Anforderungen für Ihr Unternehmen gelten und wann rechtlicher Rat sinnvoll ist.

Was umfasst das Rechtsgebiet Forderungsrecht und welche Gesetze zählen dazu?

Die Antwort in 30 Sekunden

Das Forderungsrecht umfasst die Entstehung, Durchsetzung, Sicherung und das Erlöschen von Forderungen. Die wichtigsten Gesetze sind das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) , die Zivilprozessordnung (ZPO) und die Insolvenzordnung (InsO). Im Forderungsrecht geht es darum, Forderungen von Beginn an rechtssicher zu gestalten und im weiteren Verlauf zielgerichtet durchzusetzen.

Unternehmen stehen immer mal wieder vor der Herausforderung, das Vertragspartner Rechnungen nicht zahlen, es also zu offenen Forderungen kommt.  Diese gilt es bestmöglich durchzusetzen, um die Liquidität Ihres Unternehmens zu sichern. Das Forderungsrecht bietet klare Instrumente – von der außergerichtlichen Mahnung bis zur gerichtlichen Vollstreckung. Erfahren Sie, welche Gesetze gelten, welche Pflichten Sie beachten müssen und wie Sie Ihre Ansprüche rechtssicher durchsetzen.

Was ist Forderungsrecht und warum ist es für Unternehmen relevant?

Das Forderungsrecht ist ein Teilgebiet des Zivilrechts und regelt alle Aspekte rund um Forderungen: deren Entstehung, Durchsetzung, Sicherung und Erlöschen. Eine Forderung ist das Recht eines Gläubigers, von einem Schuldner eine Leistung – meist eine Zahlung – zu verlangen. Für Unternehmen ist das Forderungsrecht zentral, weil offene Forderungen die Liquidität gefährden und rechtliche Fehler bei der Durchsetzung zum Verlust von Ansprüchen führen können.

Typische Konstellationen, welche die Liquidität belasten:

•  verzögerte Durchsetzbarkeit von Forderungen wegen falscher Rechnungsstellung

• Nicht-Durchsetzbarkeit von Forderungen wegen Verjährung

• Verlust des Anspruchs bei fehlerhafter Forderungsanmeldung in der Insolvenz

• Unwirksamkeit von Sicherheiten wegen  formellen Mängeln

Welche Gesetze gehören zum Rechtsgebiet Forderungsrecht?

Das Forderungsrecht stützt sich auf mehrere zentrale Gesetze, die verschiedene Phasen und Aspekte der Forderungsdurchsetzung berühren. Im Folgenden werden die wichtigsten Rechtsgrundlagen erklärt.

 

Was regelt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) für das Forderungsrecht?

Das BGB bildet die zivilrechtliche Grundlage des Forderungsrechts. §§ 194 ff. BGB regeln die Verjährung von Forderungen, also den Zeitraum, in dem ein Anspruch durchgesetzt werden kann. Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre und beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den anspruchsbegründenden Umständen Kenntnis erlangt hat. §§ 286 ff. BGB enthält Regelungen zum Verzug  und somit auch zu Verzugszinsen und Verzugschaden, welche der säumige Vertragspartner bei Verzug zahlen muss. §§ 362 ff. BGB regeln das Erlöschen von Forderungen, etwa durch Erfüllung, Aufrechnung oder Erlass. Diese Vorschriften sind entscheidend, um zu prüfen, ob eine Forderung noch besteht oder bereits erloschen ist.

 

Was regelt die Zivilprozessordnung (ZPO) für das Forderungsrecht?

Die ZPO regelt im Kontext des Forderungsrechts das gerichtliche Verfahren zur Durchsetzung von Forderungen. Sie legt fest, wie ein Gläubiger seine Forderung vor Gericht geltend machen kann, welche Fristen gelten, welches Gericht zuständig ist und wie ein vollstreckbarer Titel (z. B. Urteil, Vollstreckungsbescheid, Mahnbescheid) erwirkt wird. Darüber hinaus regelt die ZPO die Zwangsvollstreckung (§§ 704 ff. ZPO), also die Durchsetzung des Titels durch Pfändung, Zwangsversteigerung oder andere Maßnahmen. Ohne vollstreckbaren Titel ist eine Zwangsvollstreckung nicht möglich.

 

Was regelt die Insolvenzordnung (InsO)?

Wenn der Schuldner zahlungsunfähig oder überschuldet ist, eröffnet das Insolvenzgericht ein Insolvenzverfahren. Die InsO regelt, wie Gläubiger ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden müssen (§§ 174 ff. InsO). Die Anmeldefrist beginnt mit der Eröffnung des Verfahrens und wird vom Insolvenzgericht festgelegt. Versäumt ein Gläubiger die Frist oder meldet die Forderung fehlerhaft an, kann er im Verfahren nicht berücksichtigt werden und verliert faktisch seinen Anspruch.

 

Welche weiteren Gesetze haben einen Bezug zum Forderungsrecht?

Neben den Kerngesetzen spielen weitere Regelungen eine Rolle, insbesondere bei grenzüberschreitenden Forderungen oder speziellen Sicherungsinstrumenten:

 

EuGVVO (Europäische Gerichtsstands- und Vollstreckungsverordnung)

Regelt die Anerkennung und Vollstreckung von Urteilen innerhalb der EU.

EuMVVO (Europäisches Mahnverfahren)

Ermöglicht die grenzüberschreitende Durchsetzung unbestrittener Forderungen.

HGB (Handelsgesetzbuch)

Enthält Sonderregelungen für kaufmännische Geschäfte, z. B. Verzugszinsen.

GWG (Geldwäschegesetz)

Relevant bei Forderungsverkauf und Factoring, wenn Sorgfaltspflichten greifen.

Welche Anforderungen ergeben sich aus dem Rechtsgebiet des Forderungsrechts für Unternehmen?

Unternehmen sollten verschiedene Aspekte beachten, um Forderungen rechtssicher durchzusetzen zu können und Verluste zu vermeiden. Einige der wichtigsten Anforderungen werden im Folgenden dargestellt.

 

Verträge rechtssicher gestalten

Bereits bei Vertragsschluss wird die Grundlage für die spätere Durchsetzung von Forderungen gelegt. Ein rechtssicherer Vertrag muss die Leistung, den Preis, die Zahlungsbedingungen und Fälligkeitstermine eindeutig regeln. Bei Werkverträgen ist die Abnahme der Leistung besonders wichtig: Ohne förmliche Abnahme wird die Vergütung oft nicht fällig, und die Verjährung beginnt nicht zu laufen. Unternehmen sollten Abnahmeregelungen vertraglich vereinbaren und die Abnahme schriftlich dokumentieren – z. B. durch Abnahmeprotokolle, unterschriebene Lieferscheine oder E-Mail-Bestätigungen.

 

Verjährungsfristen überwachen

Die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger Kenntnis von den Umständen erlangt hat. Unternehmen müssen Forderungen rechtzeitig geltend machen oder die Verjährung durch Maßnahmen wie Mahnungen, Vergleichsverhandlungen oder Klageerhebung hemmen. Wird die Frist versäumt, kann der Schuldner die Leistung verweigern und die Forderung ist nicht mehr durchsetzbar.

 

Fälligkeit der Zahlung sicherstellen

Eine Forderung kann nur durchgesetzt werden, wenn sie fällig ist. Die Fälligkeit tritt ein, wenn der Schuldner die Leistung erbringen muss. Bei Kaufverträgen wird die Zahlung in der Regel mit Lieferung oder Rechnungsstellung fällig, bei Werkverträgen mit Abnahme der Leistung. Unternehmen sollten die Fälligkeit eindeutig im Vertrag regeln. Ohne klare Regelung gilt die gesetzliche Fälligkeit (sofort bei Leistungserbringung), was in der Praxis oft zu Unklarheiten führt. Erst mit Eintritt der Fälligkeit können Verzugszinsen geltend gemacht und gerichtliche Schritte eingeleitet werden.

 

Forderungen in der Insolvenz anmelden

Sobald ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, müssen Gläubiger ihre Forderungen frist- und formgerecht beim Insolvenzverwalter anmelden. Die Anmeldefrist wird im Eröffnungsbeschluss genannt. Fehlt die Anmeldung oder ist sie unvollständig, wird die Forderung nicht in die Insolvenztabelle aufgenommen und kann nicht berücksichtigt werden.

 

Vollstreckbare Titel erwirken

Ohne vollstreckbaren Titel ist eine Zwangsvollstreckung nicht möglich. Unternehmen müssen daher einen Vollstreckungsbescheid, ein Urteil oder notarielle Urkunden erwirken, um ihre Forderungen durchsetzen zu können. Ein Titel ist die Voraussetzung für Pfändungen, Zwangsversteigerungen oder andere Vollstreckungsmaßnahmen.

 

Sicherheiten rechtswirksam vereinbaren

Sicherheiten wie Bürgschaften, Sicherungsübereignungen oder Grundschulden müssen formgerecht vereinbart werden. Mängel in der Form oder im Inhalt können zur Unwirksamkeit führen. Unternehmen sollten Sicherheiten schriftlich dokumentieren und bei Bedarf notariell beurkunden lassen.

 

Dokumentation und Nachweispflicht

Unternehmen müssen Forderungen und deren Entstehung nachweisen können. Dazu gehören Verträge, Rechnungen, Lieferscheine, Mahnungen und Korrespondenz. Bei Werkverträgen ist die Dokumentation der Abnahme besonders wichtig: Abnahmeprotokolle, Mängellisten, E-Mail-Bestätigungen oder unterschriebene Abnahmeerklärungen beweisen, dass die Leistung erbracht wurde und die Vergütung fällig ist. Eine lückenlose Dokumentation ist entscheidend, um vor Gericht oder im Insolvenzverfahren erfolgreich zu sein.

So unterstützen wir Sie bei der Durchsetzung Ihrer Forderungen

Forderungsrecht ist birgt viele kleine, formale Details in sich und stellt Unternehmen immer wieder vor Herausforderungen. Wir unterstützen Sie dabei, eine effizientes Forderungsmanagement aufzubauen und offene Forderungen beizutreiben, dm Ihre Liquidität zu sichern.

Passende Leistungen:

Rechtsanwältin, DSGVO-Expertin Christiane Henneken mit verschränkten Armen an eine eine pinkfarbene Säule gelehnt. Sie lacht offen. Sie trägt einen schwarzen Blazer und ein weißes T-Shirt.

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Wie setze ich Forderungsrecht im Unternehmen um?

Die Umsetzung des Forderungsrechts erfordert einen strukturierten Ansatz. Die folgenden Schritte helfen Ihnen, Forderungen rechtssicher zu verwalten und durchzusetzen:

 

1. Forderungsmanagement aufbauen

Implementieren Sie ein System zur Überwachung offener Forderungen, Verjährungsfristen und Zahlungseingänge.

 

2. Mahnwesen etablieren

Versenden Sie Mahnungen rechtzeitig und dokumentieren Sie diese. Eine Mahnung hemmt die Verjährung und setzt den Schuldner in Verzug.

 

3. Rechtliche Prüfung

Lassen Sie Verträge, Sicherheiten und Forderungsanmeldungen von einem Rechtsanwalt prüfen, um formelle Fehler zu vermeiden.

 

4. Gerichtliche Durchsetzung vorbereiten

Sammeln Sie alle relevanten Unterlagen (Verträge, Rechnungen, Korrespondenz) und prüfen Sie, ob ein Mahnbescheid oder eine Klage sinnvoll ist.

 

5. Insolvenzverfahren beobachten

Überwachen Sie Insolvenzbekanntmachungen Ihrer Schuldner und melden Sie Forderungen fristgerecht an.

 

6. Schulung der Mitarbeiter

Schulen Sie Mitarbeiter in Buchhaltung und Vertrieb zu den wichtigsten Pflichten im Forderungsrecht.

Rechtsanwältin, DSGVO-Expertin Christiane Henneken mit verschränkten Armen an eine eine pinkfarbene Säule gelehnt. Sie lacht offen. Sie trägt einen schwarzen Blazer und ein weißes T-Shirt.

Autorin

Rechtsanwältin Christiane Henneken verfügt über langjährige Erfahrung im Forderungsrecht und Inkasso und begleitet Unternehmen bei der Beitreibung offener Forderungen ebenso wie bei dem Aufbau eine effizienten Forderungsmanagements.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange kann ich eine Forderung geltend machen?

Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre und beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und Sie Kenntnis von den Umständen erlangt haben. Sie können die Verjährung durch Mahnungen, Vergleichsverhandlungen, Mahnverfahren oder Klageerhebung hemmen.

Entgegen einer weit verbreiteten Annahme gibt es keine gesetzliche Pflicht, eine bestimmte Anzahl von Mahnungen zu versenden. Entscheidend ist, dass der Schuldner in „Verzug“ gerät, was oft schon durch die erste und einzige Mahnung geschieht. Ist auf der Rechnung oder im Vertrag ein festes Zahlungsdatum angegeben, ist bei Überschreitung dieses Datums in vielen Fällen sogar gar keine Mahnung für den Eintritt des Verzugs erforderlich.

Sie können einen vollstreckbaren Titel durch ein gerichtliches Mahnverfahren (Mahnbescheid, Vollstreckungsbescheid), eine Klage (Urteil) oder eine notarielle Urkunde mit Vollstreckungsunterwerfung erwirken. Ohne Titel ist eine Zwangsvollstreckung nicht möglich.

Der entscheidende Vorteil ist, dass ein Anwalt den gesamten Prozess aus einer Hand abwickeln kann – von der Überprüfung der vertraglichen Grundlage über die erste Mahnung und das gerichtliche (Mahn)Verfahren bis zur Zwangsvollstreckung. Ein Inkassodienstleister darf nur außergerichtlich mahnen; weigert sich der Schuldner zu zahlen, muss der Fall ohnehin an einen Anwalt übergeben werden. Dieser Umweg kostet Zeit und oft auch mehr Geld, während ein anwaltliches Schreiben von Beginn an mehr juristisches Gewicht hat und die Zahlungsbereitschaft erhöht. Anwälte sind im Inkasso oftmals nicht teurer als ein Inkassodienst.